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Sonntag, 7. Februar 2016

Vom (Un)Willen sich zu verkleiden, Faschingskrapfen und Fischbrötchen



Was ist das eigentlich mit dem Fasching und dem Unwillen der Menschen sich zu verkleiden? Während ich als Psychologin viel Verständnis für die Unterschiedlichkeit anderer hab', fällt es mir als Mensch doch sehr schwer diesen Unwillen zu begreifen. Klingt es nicht einfach nur toll in die Rollen seiner Kindheitsträume zu schlüpfen und so vielleicht für einen Tag den Berufswunsch seiner inneren 4. Klässlerin Realität werden zu lassen? Okay, ich gebe zu, ich war noch nie als Polizistin verkleidet und werde es auch dieses Jahr nicht schaffen, aber es wäre eine Möglichkeit. Noch dazu auch eine ziemlich tolle, die die Schultasche am Rücken hin und her springen lassen würde.
Es wird also schnell klar, dass ich mit einem Stirnrunzeln und hängenden Mundwinkeln reagiere, wenn meine Frage nach dem Verkleiden verneint wird. Wenn dies aber auch die Antwort von einem Kind ist, dann bin ich schwer irritiert und rätsle den gesamten Tag über die Gründe dafür. Am Ende hoffe ich einfach auf das Beste und denke mir, dass diese verkleidungsunwilligen Menschen wohl einfach mit ihrer eigenen Rolle rundum zufrieden bzw. bereits Prinzessin oder FBI-Agent sind. Eine Erklärung, die ich z.B. für meine wunderbaren Nichten heranziehen würde – beide bestreiten ihren Alltag aber inkognito, deswegen auch auf den Bildern ohne Krone dafür mit Krapfen. Ihre Kostüme haben sie aber natürlich auch schon ausgeführt.
Für den Tag nach Fasching und somit dem Aschermittwoch hab' ich noch ein paar Fischbrötchen mitgebracht, die man auch ganz ohne Verkleidung essen kann.



250g Mehl
80ml lauwarme Milch
20g Germ (Hefe)
55g zerlassene Butter
1 Ei
1 Eidotter (Eigelb)
2-3 EL Rum
1-2 EL Vanillezucker

1/2 Glas Marillenmarmelade
1l Öl
Staubzucker (Puderzucker)



Zuerst macht man ein Dampfl mit der Milch, dem Germ und einem Esslöffel vom Mehl, das man ca. 15 Minuten an einem warmen Ort und zugedeckt gehen lässt. Anschließend gibt man die restlichen Zutaten hinzu, knetet alles sehr gut durch. Der Teig sollte geschmeidig sein, gern kann noch ein bisschen mehr Mehl oder Flüssigkeit dazu geben, wenn er das noch nicht ist. Die Menge vom Rum hängt übrigens davon ab, ob Kinder mitessen oder nicht. Den Teig lässt man wiederum zugedeckt gehen und zwar bei 50° Ober-Unterhitze im Backofen. Anschließend auf etwas Mehl ausrollen (ca. 2cm dick) und etwa 7cm große Kreise ausstechen, die man auf ein, mit einem Geschirrtuch ausgelegten, Backblech verteilt, wieder zudeckt und für ca. 20 Minuten im Ofen bei 50° weitergehen lässt. In der Zwischenzeit erhitzt man in einem Topf das Öl und backt die aufgegangene Krapfen darin raus. Einmal wenden, rausnehmen, abkühlen lassen und mit der Marmelade füllen, die davor mit Rum verrührt wurde.



Für den Aschermittwoch:
1 Ciabatta
Butter
Zitrone

1 gekochte rote Rübe
Salatblätter
Hüttenkäse
Räucherforelle

Stremmellachs
1/2 Avocado
1/2 Gurke
1-2 TL Oberstes
etwas Dille
Salz

Sardellen
1/2 Schalotte
von jeder Paprikafarbe etwa 1/4

Für die Brötchen mit der der Forelle wird die rote Rübe in feine Scheiben geschnitten und auf eine mit Butter bestrichene Scheibe Ciabatta gelegt. Darauf kommt etwas Hüttenkäse, die Forelle und ein wenig Salatgarnitur.
Wiederum auf Ciabatta mit Butter kommt der Stremmellachs, die Avocado vermischt man mit dem Oberkren, etwas Salz und einem Schuss Zitrone. Die Gurke in feine Scheiben schneiden und auch aufs Brötchen drauf geben. Mit Dille garnieren.
Die Sardellen kommen auch auf ein gebuttertes Ciabatta und oben drauf die klein gewürfelten Paprika und die Schalotte.
Über den Fisch darf jeweils ein bisschen Zitrone.





Auf neue Rollen!

Sonntag, 24. Januar 2016

Geschmackserinnerungen in Form von Germknödel und Brot mit Steirakas




Dass ich mittlerweile auch die Herrschaft über die Küche meiner Mutter an mich gerissen habe, freut sie irgendwie mehr als mich. Der Siegestaumel hat demnach nicht besonders lange angehalten. Als ich sie dann dieses Wochenende wie aus heiterem Himmel gefragt habe, ob sie nicht wieder mal das Brot backen könnte, dass sie in Kindertagen immer frisch aus dem Ofen geholt hat, ist sie aus allen Wolken gefallen. Im Versuch sich das nicht anmerken zu lassen hat sie auch umgehend nach dem Rezept gekramt und mir später voller Freude einen duftenden Laib Brot unter die Nase gehalten. Ich war beinahe so stolz als hätte mir mein eigenes Kind sein erstes Blech Weihnachtskekse präsentiert. Wozu es aber nicht kam, weil mich das Brot gemeinsam mit dem Winterurlaub letzter Woche sofort in eine lang vergessene Zeit zurückgeschickt hat. Der Geschmacks- aber vor allen Dingen der Geruchssinn sind ja fast wie gedankliche Merkzettel. Sie bringen Erinnerungen hervor, an die man nur all zu gern zurückdenkt. Zwei Gerichte, die mich schlagartig 20 Jahre jünger machen, sind Germknödel und Steirakas – Geschmackserinnerungen an die Ramsau und den schönen Dachstein. Genau dort hab ich auch meine Rezepte für den heutigen Beitrag her. Jaja, zwei! Nicht dass ich eine üble Nachrede bekomm', dass ich eine Woche auslasse und auch nix nachliefere. Also hier kommen sie: Mamas Brot mit Steirakas und Germknödel mit Butter und Mohn.



1/2 kg Dinkelmehl
2-3 EL Brotgewürz
1 EL Salz
je 1-1,5 EL Sesam, Leinsamen, Kürbiskerne
1/2 l warmes Wasser
1,5 Pkg. Trockengerm
3 EL Apfelessig

Butter
Steirakas

Im Wasser wird der Germ aufgelöst und im Warmen stehen gelassen. Danach kommen alles anderen Zutaten dazu, werden vermengt und bei 50° Ober-Unterhitze gehen gelassen. Die Kastenform mit Backpapier auslegen, den Teig hinein geben und ca. 1 Stunde bei 200° Heißluft backen.




1/2 kg Mehl (universal)
15g Germ
1 Tasse lauwarme Milch (mittelgroß)
2 Eier
50g Butter
50g Zucker
1 TL Salz
1 Glas Powidl
geriebener Mohn, Puderzucker und zerlassene Butter (ca. 100g)





Der Germ wird in der Milch aufgelöst und mit etwas Zucker gehen gelassen. Danach die Butter schmelzen und gemeinsam mit allen anderen Zutaten hinzu geben. Alles gut durchkneten und an einem warmen Ort ca. 15 Minuten gehen lassen (auch hier kann man wieder die 50° des Ofens nehmen). Danach zweigt man sich vom Teig 6-8 Knödel ab, drückt sie platt und füllt sie mit dem Powidl. So rasten sie nochmals auf einem bemehlten Brett für weitere 15 Minuten. Dann sind sie bei mir in den Dampfgarer gewandert, in einem ausgebutterten Lochblech bei 100° für 14 Minuten. Man kann sie aber auch für 5-6 Minuten in kochendes Wasser geben, danach umdrehen, mit einer Nadel mehrmals anstechen und nochmals für ca. 5 Minuten im offenen Topf kochen lassen.
In der Zwischenzeit wird die Butter geschmolzen, die so wie der Mohn und der Zucker über die Knödel kommt.



Liebe Grüße aus der Kindheit!

Sonntag, 20. Dezember 2015

Rindsrouladen – Hauptspeise für das Weihnachtsmenü


Wo ist denn eigentlich die Zeit geblieben? Also die Adventszeit sowieso, immerhin naht das große Fest mit Riesenschritten, aber auch die Lebenszeit. Die 30 rückt immer näher und die Augen kann man gar nicht mehr so fest zusammenkneifen, um es nicht zu sehen, als dass es was nutzen würd'. Zumal die dadurch entstehenden Falten irgendwann auch nicht mehr weggehen. Nachdem ich jetzt also 27 geworden bin, wird der Körper müder und die Geburtstagswünsche weniger optimistisch. Von "Jetzt wirst du auch endlich erwachsen." bis "Auf ein letztes faltenfreies Jahr!"war dieses Mal alles dabei. Man kann unschwer erkennen, dass das Feiern besser ankommt, wenn es einen anderen Anlass gibt. Aufgrund der zeitlichen Nähe, verkauf ich's in Zukunft halt einfach immer als Weihnachtsfeier. Der Plan geht bestimmt auf. Um weiterhin Schwarzzumalen (so g'hört sich's hierzulande schließlich) möcht' ich auch noch auf die von Jahr zu Jahr abnehmende Anzahl der Geschenke unter dem Christbaum hinweisen. Man möge es sich an dieser Stelle selbst zusammen reimen, welchen Einfluss ein vorweihnachtlicher Geburtstag zusätzlich darauf hat. Aber irgendwo hab ich's munkeln g'hört, dass es ja das Fest der Liebe heißt und nicht das der Geschenke. Ich glaub' da ist was dran. Daneben könnt' es aber das Fest des tollen Essens sein, oder?



4 Rindschnitzel
Dijonsenf
ca. 8 Scheiben Schinkenspeck
8 Kapern
4 Stangen junger Brokkoli
8 eingelegte Zwiebeln
Salz, Pfeffer
Butterschmalz
1 Stange Lauch
2 Karotten
1/2 Sellerie
ca. 1 EL Tomatenmark
350 ml Rinderbrühe
1/2 Rotwein
2 Pimentkörner
2 Wacholderbeeren
2 schwarze Pfefferkörner
1 Rosmarinzweig
ca. 70 ml Schlagobers
Babykarotten, Romanesco, Kaiserschoten
Bandnudeln



Die Schnitzel werden geklopft, mit Senf bestrichen und mit Salz und Pfeffer gewürzt. Gefüllt werden sie mit halbierten Kapern, halbieren eingelegten Zwiebeln und den Brokkolistangen. Die Seiten klappt man ein, rollt die Schnitzel auf und bindet sie mit einem Küchengarn zu. Jetzt in einem Bräter 1 EL Butterschmalz zerlassen und die Rouladen von allen Seiten scharf anbraten. Danach rausgeben und Platz lassen für einen weiteren EL Butterschmalz und die gewürfelten Karotten, Sellerie und Lauch. Alles scharf anbraten, das Tomatenmark dazu geben und mit einem 1/4 l Rotwein ablöschen. Weiter kochen lassen, bis sich der Rotwein am Boden ansetzt und dann mit dem restlichen Rotwein und der Rinderbrühe aufgießen. Würzen mit Piment, Wacholder, schwarzem Pfeffer und dem Rosmarinzweig. Die Rouladen dürfen jetzt auch wieder hinein und ca. 2 Stunden bei mittlerer Hitze köcheln.
In der Zwischenzeit schon mal die Babykarotten, Röschen vom Romanesco und die Kaiserschoten in Salzwasser 5-10 Minuten kochen und anschließend in Eiswasser geben. Kurz bevor die Rouladen fertig sind wird das Gemüse in Butterschmalz angebraten und gesalzen. Auch die Nudeln werden gekocht. Die Rouladen kommen aus der Sauce und in den Ofen bei 60° bis die Sauce fertig ist. Von der nimmt ca. 2/3 des Gemüses raus und püriert es. Anschließend gibt man es wieder dazu und verfeinert alles noch mit ca. 70ml Schlagoberst.
Es kann angerichtet werden.



Ein Schuss weihnachtliche Ironie, bitte!

Sonntag, 22. November 2015

Thanksgiving auf Österreichisch


Dass Halloween das gute alte Allerheiligen, was doch eigentlich so wunderbar zum morbiden Wien passt, bereits abgelöst hat, hab ich ja schon mal ausführlich behandelt. Aber, heute möcht' ich diese Liste weiterführen und eine kleine Rebellion anzetteln. Nicht, dass ich Veränderungen nix abgewinnen könnt – klar find ich's toll, dass Burger die neuen Schnitzel sind und Röhrenjeans die (immer wieder aufbäumenden) Schlaghosen schon beinahe ganz in die Flucht geschlagen haben. Aber mein Christkind tausch' ich nicht gegen den Weihnachtsmann, auch wenn ich glänzende Augen bekomm', wenn er auf seinem roten Cola-Truck äh... Schlitten über den Fernsehbildschirm flimmert.
Ich häng einfach viel zu sehr an dem kleinen Kind mit den blonden Locken und Kinder sind ja schließlich auch die Zukunft, während ich das noch nie über alte Männer in roten Gewändern und weißen Bärten gehört habe. Auch wenn die "Alterspyramide" schon längst nicht mehr an die Bauwerke der alten Ägypter erinnert und moderne Pensionisten Triathleten sind.
Deswegen habe ich mich dazu entschieden, den Rufen meiner Freunde nach einem Thanksgiving Dinner nachzukommen. Und zwar in abgewandelter Form, nämlich in traditionell ländlicher mit einem gefüllten Hendl statt einem Truthahn und Kartoffeln statt Süßkartoffeln. Mit österreichischem Schmäh statt dem American Way of Life.



1 Brathuhn
Brathähnchengewürz
120g Semmelwürfel
70ml Milch
1 Schalotte
Petersilie
2 getrocknete Tomaten
Muskatnuss
Pfeffer, Salz
2 Eier
ca. 30g Butter
5 kleine Birnen
1 rote Zwiebel
2 Zweige Rosmarin
1 Schuss Apfelessig
Kartoffeln
Karotten



Zuerst wird für die Füllung die Schalotte gewürfelt, in etwas Butter angeschwitzt und mit der Milch aufgegossen. Diese Mischung gießt man über die Semmelwürfel, schneidet noch etwas Petersilie dazu und auch die klein geschnittenen getrockneten Tomaten. Danach wird das Brathendl gewaschen, ausgenommen und mit Brathendlgewürz innen uns außen eingerieben. Jetzt das Hendl füllen und auch ein wenig was unter die Haut schieben. In eine Auflaufform geben, ein wenig Wasser (ca. 1cm hoch) rein, oben drauf noch Butter und ab in den Ofen bei 200° Ober-Unterhitze für ca. 1 bis 1,5 Stunden. Auch ein paar Karotten dürfen dazu gegeben werden. Immer wieder mal mit eigenem Saft und etwas Wasser übergießen, nach der Hälfte der Zeit umdrehen.
In der Zwischenzeit werden die Birnen halbiert, die rote Zwiebel in Spalten geschnitten und in einer ausgebutterten Form mit Salz, Pfeffer, Rosmarin und einem Schuss Apfelessig für 20 Minuten mit Alufolie zugedeckt geröstet. Alles bei 200° Ober-Unterhitze. Danach entfernt man die Folie und lässt sie nochmal für ca. 15 Minuten im Ofen.
Die Kartoffeln werden in Spalten geschnitten, in etwas Olivenöl angebraten, gesalzen, mit etwas Wasser aufgegossen (wieder ca. 1cm hoch in der Pfanne) und solange bis sie weich sind gedünstet.
Danach kann angerichtet werden.




Ich verspreche aber zum nächsten Hollywood Blockbuster einen Burger der extra Klasse (vollkommen amerikanisch) zu kredenzen. Bis dahin: Moizeit zum verspäteten Erntedank!

Montag, 9. November 2015

Von Erkältungen und Erdäpfelgulasch



Ist man zuhause, werden Erinnerungen plötzlich wieder wach und das eine oder andere Déjà-vu  kommt einem unter. Gefühlt ist man dann wieder 10, liegt mit einer Erkältung, die schon von der Nase zu den Ohren gewandert ist, auf der Couch und jammert. Zu allem Überdruss lässt man sich dazu breitschlagen, dass man sich die Ohren eintopfen lässt – und das von der Mama. Ein Moment, in dem ich mich so zusammenreißen muss, dass ich nicht vor Lachen zusammenbrech', weil ich das früher schon so furchtbar (und) kitzelnd erlebt hab'. Aber gut, solang es beim Lachen bleibt und vorm Fieberzäpfchen seine Grenze erreicht hat, lassen sich gewisse Erinnerungen ja auch wieder auffrischen.
Eine Erinnerung, die ich besonders gern wieder auffrisch', ist die an das Kartoffelgulasch. Ich trau' mir nicht zu sagen, an Elfis Erdäpfelgulasch, weil sie da starken Prostest einlegen würd'. Denn es ist ja nur meine Version und das macht man laut ihr ja sowas von gar nicht so.



800g mehlige Kartoffeln
3 Zwiebeln
2 EL Tomatenmark
Essiggurkel Essig
Prise brauner Zucker
400ml Gemüsebrühe
200g Champignons
2 TL Paprikapulver
1 TL Cayennepfeffer
1-2 TL Majoran
Salz
etwas Kümmel
Öl



Zuerst werden die Zwiebel klein gehackt, in Öl angeschwitzt und mit dem Zucker karamellisiert. Die Kartoffeln schälen und würfeln. Zu den Zwiebeln darf das Tomatenmark und anschließend auch die Kartoffelwürfel. Ablöschen mit Essiggurkerl Essig und mit Gemüsebrühe aufgießen. Jetzt vor sich hin köcheln lassen und schon mal die Champignons putzen und vierteln. Diese kommen dazu, wenn die Kartoffeln schon am weich werden sind. Würzen mit Paprikapulver, Cayennepfeffer, Majoran, Kümmel und Salz. In Summe köchelt alles ca. 45 Minuten bis 1 Stunde.






Liebe Grüße aus der Kindheit!


Sonntag, 27. September 2015

Die Zwetschkenfrustration oder ein Strudel


Wenn einmal der Wurm drin ist, dann ist er drin. So geht's mir mit den Zwetschken. Was vor etwa 10 Jahren begann, zieht sich bis heute durch. Ich will den Zwetschken jetzt nicht komplett unrecht tun, deswegen vergleich ich's mal mit einer Ernte – da is ja auch nicht in JEDER ein Wurm drin. In manchen Fällen kann man sich nicht beschweren, wenn man an die Zwetschkenbuchteln und die Zwetschkennudeln denkt. In anderen gestaltet sich die Beziehung aber komplizierter – eben so wie vor 10 Jahren. In der Schule kamen meine Leidensgenossen und ich in den Genuss ein Jahr lang diese wunderbar lila-blaue Frucht zu aquarellieren. Selbst wenn ich mich jetzt zu weit aus dem Fenster gelehnt habe und es nur ein halbes war, kam es mir auf jeden Fall wie ein ganzes vor. Eine Einschätzung mit der ich sicherlich nicht allein bin. Zumal ich fast behaupten würde, dass am Ende niemand mit der perfekten Zwetschke dafür aber mit vielen Blättern Papier voll Versuchen und Frustration dastand.
Ähnlich ging's mir vor ein paar Tagen als ich mich an einem ausgezogenen Zwetschkenstrudel nach Omas Rezept versucht habe. Er ließ sich einfach nicht und nicht ziehen, was ich einfach mal auf die Mengenangaben von Omas schiebe. "Dann gibst du nach Gefühl noch Wasser dazu" schien nicht auszureichen. Damit das nicht nochmal passiert habe ich eine nachträgliche Mengenadaption vorgenommen, auch wenn sie weniger die Zwetschken als mehr den Strudelteig selbst betrifft.




250g Mehl
1 Ei
4-5 EL Öl
ca. 70 ml lauwarmes Wasser
Prise Salz

700g Zwetschken
1 Becher Joghurt
brauner Zucker
Zimt

400ml Milch
1,5 EL Vanillezucker
1 TL Vanillepaste
1 Orange
25g Speisestärke

etwas Öl zum Bestreichen
etwas Milch zum Begießen



Zuerst verknetet man das Mehl, Ei, Öl, Wasser und die Prise Salz zu einem glatten Teig. Es gilt während der gesamten Produktionszeit darauf zu achten, dass er nicht zu trocken sondern wirklich sehr geschmeidig ist. Zu einer Kugel formen mit Öl einstreichen und für ca. eine halbe Stunde rasten lassen. In der Zwischenzeit kann man schonmal die Zwetschken in Stücke schneiden.
Danach wird die Kugel in drei Stücke geteilt, die nacheinander ausgerollt werden, um anschließend auf ein Geschirrtuch (Küchentuch) kommen und dort ausgezogen werden. Wer schon fortgeschrittener ist, kann den ausgerollten Teig auch über die geballte Faust geben und an ihm ziehen. Ist er so dünn, dass man durch ihn Zeitung lesen kann, ist er perfekt und kann gefüllt werden. Dazu streicht man auf einer Seite 2 EL Joghurt auf, legt die Zwetschken darauf und bestreut nach Belieben mit Zucker und Zimt. Wenn alle drei gefüllt und gerollt sind werden sie in eine Form geschlichtet, nochmal mit Öl bestrichen und in den vorgeheizten Ofen bei 180 ° für ca. eine Stunde gegeben. Wenn die Ränder braun werden, wird etwas Milch darüber gegossen.
Während der Studel backt wendet man sich der Vanille-Orangen-Sauce zu. Für die erhitzt man Milch, vermischt mit 3 EL Milch die Stärke und den Vanillezucker. Kocht sie wird die Stärkemischung eingerührt bis sie andickt. Dann kommen Vanillepaste, ein paar Spritzer Orangensaft und Orangenschale dazu. So gießt man sie über den fertig gebackenen und schon am Teller angerichteten Strudel.





Es ist kompliziert.

Sonntag, 16. August 2015

Ein "ka-Mehl" in Österreich und wunderbare Marillenknödel


Über die nötige Tagesdosis an Zucker sind sich die Liebe und ich nicht wirklich einig. Denn während er zum Frühstück ein Brot mit Schinken isst, esse ich eins mit Marmelade und abends vorm Fernseher bevorzugt er Salzstangen, während ich mit Vorliebe Schokolade so vor mich hin kleckere. An dieser Stelle bleibt wieder mal nur zu hoffen, dass nicht das Sprichwort "Gleich und gleich gesellt sich gern" sondern sein Pondon "Gegensätze ziehen sich an" der Wahrheit entspricht. Auch wenn's um's Mittagessen geht stört's mich rein gar nicht, wenn mir schon zum Hauptgang was Süßes vorgesetzt wird. Im Gegenteil es lässt meinen eigenen "Zuckermagen" (von dessen anatomischer Existenz ich felsenfest überzeugt bin) vor Entzücken laut knurren. Das Wasser läuft mir also schon im Mund z'am und die Liebe sehnt sich traurig nach seinen heiß geliebten Nudeln. Eines dieser Gerichte, das typischerweise auf dem Mittagstisch meiner Kindheit zu finden war, sind die siaßn Knedl – vorzugsweise mit Marillen. Knödel, die sich in meiner Familie großer Beliebtheit erfreuen, deren Parameter aber von Zeit zu Zeit auch mal geändert werden können. So hab ich mich für eine besonders flaumige Variante mit Semmelbrösel entschieden, also nicht nur außen sondern auch innen. Beim Erklären dieses Rezepts empfiehlt es sich aber die Hochsprache zu wählen – durch eine Vermischung mit dem einheimischen Dialekt kam es in der Vergangenheit schon zu Missverständnissen, denn "da kumt ka Mehl rein". Ein Wüstentier hat in diesem österreichischen Klassiker aber natürlich nichts zu suchen, dafür aber ordentlich Rum.



400g Topfen
60g Butter
150g Semmelbrösel (Paniermehl)
1 Ei
1 Eidotter
Abrieb einer halben Zitrone
Prise Salz
12 Marillen
Marzipan
400ml Rum

100g Butter
100g Zucker
400g Semmelbrösel
Zimt



Zuerst wird die Butter mit der Prise Salz und dem Zitronenabrieb schaumig gerührt. Danach kommen auch das Ei, der Dotter und der Topfen dazu. Sind auch die Semmelbrösel dabei kann alles zu einem Teig verknetet werden, der etwa 3 Stunden im Kühlschrank ruhen muss.
In der Zwischenzeit kann man schon mal den Kern aus den Marillen geben und ihn mit etwas Marzipan ersetzen. Die schlechtere Lösung dabei ist sie aufzuschneiden, die bessere mit dem Stiel eines Kochlöffel den Kern hinaus zudrücken.
Anschließend nimmt man etwas Teig, formt eine Kugel, die man platt drückt und umschließt damit Marille für Marille. So sind die Knödel bereit für's heiße Wasser, worin auch der Rum landet. Alkoholisiert kommen sie nach etwa 20 Minuten aus dem Rumwasser, werden auf den Bröseln platziert und darin gewälzt. Für diese hat man zuerst den Zucker in der Butter karamellisieren lassen, dann die Semmelbrösel dazu gegeben und zum Schluss mit etwas Zimt verfeinert.




Auf den Zuckermagen!

Sonntag, 25. Januar 2015

Almhüttenschatten und Kässpätzle mit Röstzwiebel


Mit dem letzten Wochenende kann "zurück in die Zukunft" nicht mithalten. Nicht, weil ich an dieser Stelle eine Filmkritik verfassen möcht', sondern vielmehr weil's im familiären Rahmen halt "zurück in die Vergangenheit" hieß. Optional könnt' man auch in die Kindheit sagen. Immerhin waren es drei Tage voller Erinnerungen an einem Ort, der früher alljährlich mit Oma und Kegel zum Winterurlaub auserkoren war. Eine Pension komplett bewohnt von uns – familiär bis zum Maximum halt. Was für den einen oder die andere anstrengend klingen mag, war eigentlich sehr schön.



Im wahrsten Sinne des Wortes waren aber dennoch die Diskussionen mit der Elfi etwas naja anstrengend. Denn während sich die Nichte und der Vater einen Battle im "wer ist hier der Coolste!?" (Die eine überzeugte mit hippen Baggypants, der andere mit exotischem Rauchwerk. Bis heute gibt's übrigens keinen Sieger.), brachte die Elfi wieder mal die Gemüter in Wallung. Der Dachstein sollte nämlich "erklommen" werden und die Allgemeinheit war der Überzeugung, dass das ihre Kapazitäten übersteigt – auch wenn's nur bergab gehen würd' und das natürlich auch nicht vom Gletscher direkt. Der Fußweg hinab hat aber dennoch seine Tücken oder Steilhänge und durchaus eine beachtliche Länge. Alle Überredungskraft hat nix g'nutzt, wenn ihr Hansl geht, dann geht sie auch. Wer weiß vielleicht holt er sich in der kurzen Zeit ja einen Almhüttenschatten (auf Kur darf er ja auch nicht alleine fahren).
Sei's wie's sei, sie war jedenfalls dabei und das mit roten Wangen und nun ihrerseits mit wallendem Gemüt. Als Empfehlung und somit als gute Basis für so eine Wanderung empfiehlt sich übrigens eine ordentliche Stärkung – so beginnt man den Abstieg halt gleich mit einem Hüttenbesuch. Kässpätzle (und Honigschnapserl) inklusive.





500g griffiges Mehl
1/2 EL Salz
weißer Pfeffer
5 Eier
250ml Wasser
250g Käse (am besten würziger Dorfkäse aus Vorarlberg)
3 EL Butter
3 kleine Zwiebel
2 EL Mehl

Am besten beginnt man bei den Röstzwiebeln, die kann man auch schon früher vorbereiten. Dazu werden die Zwiebeln in feine Ringe geschnitten und bemehlt (2 EL). In einer Pfanne erhitzt man 2 EL Butter und gibt anschließend die bemehlten Zwiebelringe rein. Nicht zu heiß, sonst werden die schnell schwarz. Bei niedriger Flamme lässt man sie also rösten, bis sie braun und kross sind. Danach kühlen sie ab und warten auf die Spätzle.



Für die bereitet man einen Teig aus dem Mehl, Salz, weißem Pfeffer, Eiern und Wasser zu. Das wird ganz altmodisch mit einem Kochlöffel gemacht. Ob der Teig kein Wasser oder Mehl braucht, merkt man daran, dass er vom Löffel "abreisst", wenn man diesen hebt.
Nun wird der Käse grob gerieben und danach auch schon Wasser in einem Topf erhitzt. Köchelt es, wird es noch gesalzen. In der Zwischenzeit lässt man in einem zweiten Topf auf kleiner Flamme 1 EL Butter zerlaufen. Nun wird die erste Partie Spätzle mit dem Hobel fertig gemacht. Mit einer Schaumkelle fischt man sie raus, wenn sie oben schwimmen und befördert sie in den anderen Topf. Darauf kommt die erste Schicht Käse. Man muss es gar nicht vermischen, das tun diese beiden von selbst. Danach kommt die nächste Schicht Spätzle und wieder Käse. Solang bis weder Spätzle noch Käse übrig ist. Zum Anrichten bestreut man die Spätzle am Teller oder Pfännchen (für den rustikalen Touch) mit ein wenig Petersilie und schließt mit den Röstzwiebeln ab.





An Guadn! (Da das Rezept ursprünglich nicht vom Dachstein, sondern aus dem Vorarlberger Familienfundus meiner Familie stammt auch noch: An Guata!)