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Sonntag, 24. Januar 2016

Geschmackserinnerungen in Form von Germknödel und Brot mit Steirakas




Dass ich mittlerweile auch die Herrschaft über die Küche meiner Mutter an mich gerissen habe, freut sie irgendwie mehr als mich. Der Siegestaumel hat demnach nicht besonders lange angehalten. Als ich sie dann dieses Wochenende wie aus heiterem Himmel gefragt habe, ob sie nicht wieder mal das Brot backen könnte, dass sie in Kindertagen immer frisch aus dem Ofen geholt hat, ist sie aus allen Wolken gefallen. Im Versuch sich das nicht anmerken zu lassen hat sie auch umgehend nach dem Rezept gekramt und mir später voller Freude einen duftenden Laib Brot unter die Nase gehalten. Ich war beinahe so stolz als hätte mir mein eigenes Kind sein erstes Blech Weihnachtskekse präsentiert. Wozu es aber nicht kam, weil mich das Brot gemeinsam mit dem Winterurlaub letzter Woche sofort in eine lang vergessene Zeit zurückgeschickt hat. Der Geschmacks- aber vor allen Dingen der Geruchssinn sind ja fast wie gedankliche Merkzettel. Sie bringen Erinnerungen hervor, an die man nur all zu gern zurückdenkt. Zwei Gerichte, die mich schlagartig 20 Jahre jünger machen, sind Germknödel und Steirakas – Geschmackserinnerungen an die Ramsau und den schönen Dachstein. Genau dort hab ich auch meine Rezepte für den heutigen Beitrag her. Jaja, zwei! Nicht dass ich eine üble Nachrede bekomm', dass ich eine Woche auslasse und auch nix nachliefere. Also hier kommen sie: Mamas Brot mit Steirakas und Germknödel mit Butter und Mohn.



1/2 kg Dinkelmehl
2-3 EL Brotgewürz
1 EL Salz
je 1-1,5 EL Sesam, Leinsamen, Kürbiskerne
1/2 l warmes Wasser
1,5 Pkg. Trockengerm
3 EL Apfelessig

Butter
Steirakas

Im Wasser wird der Germ aufgelöst und im Warmen stehen gelassen. Danach kommen alles anderen Zutaten dazu, werden vermengt und bei 50° Ober-Unterhitze gehen gelassen. Die Kastenform mit Backpapier auslegen, den Teig hinein geben und ca. 1 Stunde bei 200° Heißluft backen.




1/2 kg Mehl (universal)
15g Germ
1 Tasse lauwarme Milch (mittelgroß)
2 Eier
50g Butter
50g Zucker
1 TL Salz
1 Glas Powidl
geriebener Mohn, Puderzucker und zerlassene Butter (ca. 100g)





Der Germ wird in der Milch aufgelöst und mit etwas Zucker gehen gelassen. Danach die Butter schmelzen und gemeinsam mit allen anderen Zutaten hinzu geben. Alles gut durchkneten und an einem warmen Ort ca. 15 Minuten gehen lassen (auch hier kann man wieder die 50° des Ofens nehmen). Danach zweigt man sich vom Teig 6-8 Knödel ab, drückt sie platt und füllt sie mit dem Powidl. So rasten sie nochmals auf einem bemehlten Brett für weitere 15 Minuten. Dann sind sie bei mir in den Dampfgarer gewandert, in einem ausgebutterten Lochblech bei 100° für 14 Minuten. Man kann sie aber auch für 5-6 Minuten in kochendes Wasser geben, danach umdrehen, mit einer Nadel mehrmals anstechen und nochmals für ca. 5 Minuten im offenen Topf kochen lassen.
In der Zwischenzeit wird die Butter geschmolzen, die so wie der Mohn und der Zucker über die Knödel kommt.



Liebe Grüße aus der Kindheit!

Sonntag, 16. August 2015

Ein "ka-Mehl" in Österreich und wunderbare Marillenknödel


Über die nötige Tagesdosis an Zucker sind sich die Liebe und ich nicht wirklich einig. Denn während er zum Frühstück ein Brot mit Schinken isst, esse ich eins mit Marmelade und abends vorm Fernseher bevorzugt er Salzstangen, während ich mit Vorliebe Schokolade so vor mich hin kleckere. An dieser Stelle bleibt wieder mal nur zu hoffen, dass nicht das Sprichwort "Gleich und gleich gesellt sich gern" sondern sein Pondon "Gegensätze ziehen sich an" der Wahrheit entspricht. Auch wenn's um's Mittagessen geht stört's mich rein gar nicht, wenn mir schon zum Hauptgang was Süßes vorgesetzt wird. Im Gegenteil es lässt meinen eigenen "Zuckermagen" (von dessen anatomischer Existenz ich felsenfest überzeugt bin) vor Entzücken laut knurren. Das Wasser läuft mir also schon im Mund z'am und die Liebe sehnt sich traurig nach seinen heiß geliebten Nudeln. Eines dieser Gerichte, das typischerweise auf dem Mittagstisch meiner Kindheit zu finden war, sind die siaßn Knedl – vorzugsweise mit Marillen. Knödel, die sich in meiner Familie großer Beliebtheit erfreuen, deren Parameter aber von Zeit zu Zeit auch mal geändert werden können. So hab ich mich für eine besonders flaumige Variante mit Semmelbrösel entschieden, also nicht nur außen sondern auch innen. Beim Erklären dieses Rezepts empfiehlt es sich aber die Hochsprache zu wählen – durch eine Vermischung mit dem einheimischen Dialekt kam es in der Vergangenheit schon zu Missverständnissen, denn "da kumt ka Mehl rein". Ein Wüstentier hat in diesem österreichischen Klassiker aber natürlich nichts zu suchen, dafür aber ordentlich Rum.



400g Topfen
60g Butter
150g Semmelbrösel (Paniermehl)
1 Ei
1 Eidotter
Abrieb einer halben Zitrone
Prise Salz
12 Marillen
Marzipan
400ml Rum

100g Butter
100g Zucker
400g Semmelbrösel
Zimt



Zuerst wird die Butter mit der Prise Salz und dem Zitronenabrieb schaumig gerührt. Danach kommen auch das Ei, der Dotter und der Topfen dazu. Sind auch die Semmelbrösel dabei kann alles zu einem Teig verknetet werden, der etwa 3 Stunden im Kühlschrank ruhen muss.
In der Zwischenzeit kann man schon mal den Kern aus den Marillen geben und ihn mit etwas Marzipan ersetzen. Die schlechtere Lösung dabei ist sie aufzuschneiden, die bessere mit dem Stiel eines Kochlöffel den Kern hinaus zudrücken.
Anschließend nimmt man etwas Teig, formt eine Kugel, die man platt drückt und umschließt damit Marille für Marille. So sind die Knödel bereit für's heiße Wasser, worin auch der Rum landet. Alkoholisiert kommen sie nach etwa 20 Minuten aus dem Rumwasser, werden auf den Bröseln platziert und darin gewälzt. Für diese hat man zuerst den Zucker in der Butter karamellisieren lassen, dann die Semmelbrösel dazu gegeben und zum Schluss mit etwas Zimt verfeinert.




Auf den Zuckermagen!

Sonntag, 12. April 2015

20° und es wird noch heißer – Bärlauchknödel mit Radieschensalat



Spielte letzte Woche das Wetter noch verrückt, knallt diese die Sonne auf den Beton der Wiener Straßen. 20° verlangen nach den ersten Schweißperlen ohne dicke Wollpullis und glänzender Bräune (zugegebenermaßen bei mir wird's auch bei 40° die noble Blässe bleiben, aber gut). Vor allem ist es jetzt aber Zeit für die großen Frühlingsgefühle! Vorbei sind die Fernsehabende mit der Liebe, an denen ich sowieso schon um 10 ins Bett will und zwanghaft wach gehalten werde – völlig zwecklos, kurz aus den Augen gelassen, lieg ich auch schon unter der Decke und bekanntlich braucht es maximal fünf Minuten in der Horizontalen bis der Schlaf Einzug hält. Kurz davor wird aber noch hoffnungsvoll "Kommst du Gute Nacht sagen?" aus dem Schlafzimmer gemaunzt und die brave Liebe kommt tatsächlich kopfschüttelnd rein. Eine Fernbeziehung spricht wohl für mehr Geduld, immer würd' er das bestimmt nicht machen. Für frischen Bärlauch hüpft man morgens gemeinsam ganz flott aus den Federn und kann sich knoflige Küsse zuwerfen. Aber Vorsicht, nicht mit den Maiglöckchen verwechseln, sonst kommt's zum schnellen Liebesaus.



500g Kartoffeln (mehlig)
50g Grieß
50g Kartoffelstärke
1 EL Salz
70g Bärlauch
Wasser
Olivenöl

1 Bund Radieschen
1/2 Grapefruit
Salz
Salatkräuter
1 TL grober Senf
1 TL Honig (optional Agavendicksaft)
Rapsöl



Die Kartoffeln werden gekocht und noch warm gepresst, vermischt werden sie dann mit dem Bärlauch. Der wird davor mit etwas Wasser püriert. Auch kommen der Grieß, die Kartoffelstärke und das Salz dazu. Zu Knödeln formen und in simmernendem Wasser 10-15 Minuten kochen lassen. Für ein knuspriges Äußeres, werden sie noch in etwas Olivenöl angebraten.

Der Saft der Grapefruit wird mit dem Senf, dem Honig, dem Rapsöl, Salz und Salatkräutern vermengt. So bekommt man sein Dressing für den Radieschensalat, dafür müssen die Radieschen natürlich auch noch in feine Scheiben geschnitten werden.





Genießt die Frühlingsgefühle!

Sonntag, 15. März 2015

Ein Ausflug in Hansls Bauernstube ODER Tirolerknödel


Die Elfi ist ja mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund und der Vorhang öffnet sich hier ganz oft für sie und ihre Geschichten. Da bleibt einer fast ein wenig auf der Strecke – der Hansl. Ihre bessere Hälfte sozusagen. Man merkt's ihm meist auch an, dass er ein kleines bisserl traurig is, wenn die Elfi mal wieder zum "Shoot" kommt, obwohl er vorher den Keller auf Küchenutensilien durchforstet hat. Deswegen ist er heut mal dran. Mit einem kleinem Portrait über den Giovanni. Wer das jetzt wieder is'? Na, eh der Hansl. Mit seinem ursprünglichen Namen, zumal er gebürtiger Südtiroler ist. Eingebürgert wurde er zu einer eher weniger rosigen Zeit, was ihn dazu brachte, seinen Blick nach vorn zu richten und das letzte Wort Italienisch zu vergessen. Bis heut' will ihm keiner so recht glauben, dass er wirklich nix mehr von seiner zweiten Muttersprache versteht. Viele Jahre hat's gedauert, bis er seine Heimat wieder mal besucht hat und seit dem ist die Liebe wieder neuentfacht. Wenn er auf Urlaub will, will er nach Südtirol und wenn er nach Südtirol will, dann will er zuerst so richtig guade Tirolerknedel essen. Seine Leibspeis wie er immer sagt, die ich ihm gern mach'. Besonders jetzt, da er von einer Südtiroler Zeitung eine Schürze geschenkt bekommen hat und in der Küche ordentlich mitwirkt. Gespeist wird in seiner Bauernstubn im (eh klar) Südtirol-Stil, ein Stückerl Heimat für ihn.





200g Semmelwürfel
1-2cm dicke Speckscheibe
2 Eier
1 EL Grieß
2 Schalotten
100ml Milch
Butter
Salz, Pfeffer
Petersilie

1 Zwiebel
1 Bund Suppengrün
2 cm Ingwer
1-1,5l Wasser
2 Pimentkörner
2 Wacholderbeeren
2-3 schwarze Pefferkörner
2 Lorbeerblätter
Pflanzenöl
Salz

Röstzwiebel



Zuerst beginnt man mit der Suppe, damit das Gemüse schön seinen Geschmack abgibt. Dazu wird zuerst die Zwiebel geviertelt und in etwas heißem Öl in einem großen Topf so richtig angebrutzelt. Dabei darf sie ruhig braun/schwarz werden. Dann kommt auch schon das grob geschnittene Suppengrün und der Ingwer dazu. Aufgegossen wird mit dem Wasser und schon dürfen Pimentkörner, Wacholderbeeren, Pfefferkörner, Lorbeerblätter und Salz dazu.
Während die Suppe köchelt macht man sich an die Knödel. Die Semmelwürfel kommen in eine große Schüssel und der Speck wird in feine Würfel geschnitten. In einer Pfanne zerlässt man die Butter und gibt zwei gewürfelte Schalotten dazu. Die dürfen eine Runde schwitzen, bevor mit der Milch sozusagen abgelöscht wird. Die Mischung wird mit Salz und Pfeffer gewürzt und über die Semmelwürfel gegossen. Dazu kommen noch 2 Eier, der Speck, 1 EL Grieß und fein gehackte Petersilie. Jetzt wird's verknetet und es werden daraus kleinere Knödel geformt, die man zuerst in Frischhaltefolie und danach in Alufolie verpackt. So landen sie für ca. 10 Minuten in siedendem Wasser.
Sind die Knödel fertig, können sie auch schon mit der Suppe serviert werden. Darüber streut sich der Hansl gern noch Petersilie und ein paar Röstzwiebel.



Südtirol wie bist du schön,
einst musste als Kind ich von dir gehen,
ich war noch zu klein,
um es zu verstehen,
erst später wurde mir klar,
was einst mit Südtirol geschah.
Viele Jahre mussten vergehen,
bis ich Südtirol, meine alte Heimat,
konnte wieder sehen.
                                                              Giovanni aka Hansl

Sonntag, 4. Januar 2015

Vom Gedankenlesen und einem (Glücks)Schweinebraten



Über Psychologen hat man sich ja so einiges zu sagen. Besser gesagt zu ihnen hat man einiges zu sagen, sobald sie sich im Alltagskontext als solcher (oder Student der Psychologie) geoutet haben. "Ich sag' jetzt nix mehr, sonst werd' ich analysiert!" oder "Das sind alles Gedankenleser.", sind nur zwei Beispiele. Beides trifft gar nicht zu – was bei letzterem natürlich schon auch irgendwie schad' ist. Stolz kann ich aber von mir behaupten, dass ich in die Zukunft schauen kann. Eine Gabe, die ich aber nur am 31.12. besitze – sie soll ja auch was besonderes bleiben.
Dem Mädchen im goldenen Kleid, das ihr knapp über ihren Hintern reicht, prophezeie ich eine gewaschene Blasenentzündung für 2015. Ihrer Freundin, in den 10 cm hohen Sandaletten halb oder gar ganz (eine Restunsicherheit bleibt) abgefrorene Zehen und dem Jungen mit den langen Dreadlocks, der von seinem soeben gezündeten Feuerwerkskörper einfach nicht weggehen will, kürzere Haare. Und das ganz ohne Glaskugel. Beeindruckt?
Der Liebe und mir hingegen sage ich ein Glücksschweinchen voraus. Eines, das als neu interpretierter Braten daher kommt. Die kleinen Plastikschweine würden ja auch nur rum stehen.



Krautsalat:
1/4 Krautkopf
1 Karotte
1/2 kleine Zwiebel
1 Schuss Milch
1 Schuss Essig
1 Schuss Zitronensaft
1 EL Mayonnaise
1 TL Zucker
Salz, Pfeffer

Schweinefleisch:
1/2 TL Kümmel
1/2 TL Senfkörner
1 TL Majoran
1 TL Paprikapulver
1/2 TL Knoblauchpulver
Salz, Pfeffer
ca. 200g Schweinefilet
2 Thymianzweige
1 Knoblauchzehe
Öl






Knödel:
125g Knödelbrot (Semmelwürfel)
75ml Milch
1 kleine Zwiebel
Muskatnuss
Salz, Pfeffer
1 Ei
1 TL Majoran
Butter

Zusatz:
Salatblätter
1 Topinambur

Der Krautkopf wird fein geschnitten und auch die Karotte wird in feine Streifen transformiert. Dazu kommt jetzt die klein gehackte Zwiebel, der Schuss Milch, Essig und Zitronensaft. Auch die Mayonnaise, der Zucker, Salz und Pfeffer dürfen nicht fehlen.

Für die Semmelknödel wird die Zwiebel gewürfelt und in etwas Butter angeschwitzt. Danach wird die Milch drüber gegossen und mit Muskatnuss, Salz und Pfeffer gewürzt. Die Milchmischung gießt man über die Semmelwürfel, gibt dem ganzen noch ein Ei und Majoran dazu und schon ist die Masse fertig. Also wenn man alles miteinander verrührt hat. Jetzt noch etwas ziehen lassen und danach zu Knödel formen, die man in Frischhaltefolie wickelt, etwas platt drückt und anschließend noch einen Mantel aus Alufolie verleiht. So kommen sie für ca. 15 Minuten in simmerndes Wasser.

Für das Fleisch wird zuerst ein "rub" vorbereitet. Der besteht aus gemörsertem Kümmel und Senfkörnern, gemeinsam mit Majoran, Knoblauchpulver, Paprikapulver, Salz und Pfeffer. Damit wird das Filet gut eingerieben. In einer Pfanne macht man etwas Öl heiß, legt den Thymian und die Knoblauchzehe dazu und brät bei hoher Flamme los. Und zwar auf jeder Seite. Nun ab in Alufolie und ab in den Ofen bei 180° Ober- Unterhitze für 5-7 Minuten. So hat es nachher einen rosaroten Kern.

Das ganze wird in Burgerform zusammengesetzt und zwar so: Zuerst schneidet man die platten Semmelknödel längs nach durch und gibt auf die untere Hälfte etwas Salat und Topinambur. Darauf legt Scheiben vom Schweinefleisch, worauf wiederum der Krautsalat kommt. Abschließen mit der zweiten Semmelknödelhälfte und fertig.





Ein frohes Neues!

Sonntag, 14. Dezember 2014

Das geheime Läuten und die Kaspressknödel


Auch dieses Jahr wird wieder eifrig am Weihnachtsmenü getüftelt. Aber weniger von den Elfen vom Weihnachtsmann, dafür umso mehr von mir. Was zu einem guten Teil daran liegen könnt', dass ich nicht an den Mann in Rot glaube. Also früher nicht und jetzt halt auch nicht. In unserer Familientradition wird von einem Kind mit blonden Locken gesprochen, das am 24. ganz schnell vorbeifliegt. Und zwar so schnell, dass ich nie einen Blick erhaschen konnte. Ganz im Sinne der Wissenschaft, hab' ich mir irgendwann halt gedacht: "Ja mei! Wenn man's nicht beobachten kann, gibt's keine Beweise!" So kam das Ende des Christkinds und der Papa musste einfallsreicher werden, wie er wohl dieses Jahr das Glöckchen im Geheimen läuten wird.
"Wieso ist der Papa eigentlich nie da, wenn das Christkind läutet?" "Der versucht's nur endlich mal zu sehen und sucht's." "Ehrlich? Ich möcht' aber, dass dieses Jahr alle gemeinsam warten!" Der Papa, spielt also das Läuten vom Handy ab und denkt sich: "Dieses Jahr krieg ich dich noch!" Eine Geschichte aus dem echten Leben – wenn auch nicht von mir. Da gab's ja auch noch keine Smartphones, da war's mit dem Glauben halt früher vorbei. Was auch vorbei ist, ist die Planung der Vorspeise für's Dinner. Die steht nämlich schon fest: Kaspressknödel mit Vogerlsalat.



200g Knödelbrot (Semmelwürfel)
150g Bergkäse
130ml Milch
1 Zwiebel
1 Ei
Paprikapulver
Majoran
Muskatnuss
Öl

Vogerlsalat (Feldsalat)
Apfel
geröstete Haselnüsse
1 TL grober Senf
1/2 Orange
Balsamico
Öl
1 TL Honig
Salz, Pfeffer
Salatkräuter

Die Zwiebel wird in kleine Würfel geschnitten, während in einer Pfanne etwas Öl erhitzt wird. In das Öl kommt zuerst das Paprikapulver und anschließend die Zwiebelwürfel. Die dürfen glasig werden, bevor die Milch dazu kommt. Danach nimmt man alles von der Platte und die Milch wird mit Majoran, Muskatnuss, Salz und Pfeffer gewürzt. Diese Mischung verteilt man über dem Knödelbrot, das schon in einer Schüssel darauf wartet. Anschließend würfelt man den Käse klein und gibt ihn mit dem Ei ebenso dazu. Alles vermischen und stehen lassen.
Jetzt ist Zeit den Vogerlsalat zu waschen, den Apfel zu schneiden, die Haselnüsse zu hacken und die Dressing zu machen. Dazu werden das Öl, der Senf, der Saft der halben Orange, Balsamico, Honig, Kräuter, Salz und Pfeffer miteinander vermischt. So kommt die Dressing über den Salat und die Äpfel. Am Schluss streut man die Haselnüsse drüber und richtet an.



Blim blim! Ist das Glöckchen schon zu hören?

Mittwoch, 14. August 2013

Als die Eierschwammerl den Wald verließen – Eierschwammerlgulasch mit Serviettenknödel


Eigentlich g'hören Eierschwammerl zum Standardrepertoire im Sommer, die Wälder sind zu dieser Zeit ja normalerweise voll davon. Deswegen hab' ich die letzten Jahre diesen Segen gar nicht so recht zu schätzen gewusst, hab's halt immer gern mögen und deswegen das eine oder andere Kilo pro Jahr verschlungen. Jaja, ganz schön verschwenderisch, das kann man schon mal so sagen.

Als ich dann mit dem Körbchen gewappnet auf den Bauernmarkt kam, um das jährliche Ritual (= "Wer hat die schönsten regionalen Schwammerl, die keine all zu gähnende Leere im Geldtascherl hinterlassen") zu vollführen, war da nicht wirklich viel zu sehen. Zumindest nix Österreichisches. Von Polen über Slowenien bis zu Litauen – alle war sie da, aber für's patriotische Herz gab's nichts.


Also hab' ich mich mit hängendem Kopf, ein paar Feldgurken und frischen Tomaten auf den Weg zum Auto gemacht und dann ist mir doch noch ein kleines Standerl in's Aug' gefallen, dass das Gold der Wälder anpries. Die Füße, faul wie sie sind, strebten weiter zum Auto, der Kopf und der Magen waren sich aber einig: "Die Füß' sind uns wurscht, wir geb'n die Hoffnung ned auf und schau'n uns die Schwammerl doch noch an. Schau'n kost' ja nix!" Gesagt, getan – und tatsächlich. Mühlviertler Eierschwammerl und ein Mann, der gerade erzählte, dass jeder Wald staubtrocken ist und er in mühsamer Kleinstarbeit die paar Schwammerl vom Wegrand gesammelt hat.
Diese Geschichte und den Genuss im Kopf, hab' ich zwar geschluckt, als ich den Preis gesehen hab (schauen kostet wirklich nichts – die heurigen Pilze aber dafür etwas mehr), aber trotzdem zugeschlagen. Man gönnt sich ja sonst nix.



Um das Ganze zu würdigen, muss am Herd dann was Traditionelles zubereitet werden. Und was könnte traditioneller als ein Eierschwammerlgulasch mit Serviettenknödel sein.

In der Küche braucht man neben einem halben Kilo Eierschwammerl für 3-4 Personen noch...

Butter
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1-2 Pkg. Frischkäse natur
Schluck Milch
Muskatnuss

Prise Paprikapulver & Curry
Kräuter wie Petersilie, Schnittlauch, etc. (was der Garten halt so hergibt)
Salz, Pfeffer


Die Zwiebel lässt man in einer Pfanne mit Butter glasig werden und gibt dann den Knoblauch dazu. Die akribisch geputzten Eierschwammerl kommen auch rein, sollten aber nicht zu heiß werden, und dürfen mal ein bisserl Flüßigkeit freisetzen und vor sich hin braten. Abhängig davon wie viel Sauce man will, gibt man den Frischkäse dazu und würzt mit oben Aufgelistetem. Vorsicht beim Paprikapulver, gibt man zu viel dazu können die Pilze leicht bitter werden.
Ist alles etwas eingekocht, gibt man noch so viel Milch dazu bis man eine Sauce hat, wie man sie gern hat. Das ist einem selbst überlassen.

Damit keine Sauce am Teller bleibt, muss noch was zum auftunken her – deswegen gibt's Serviettenknödel:

200g Semmelwürfel
1 großes Ei
1 kleine Zwiebel

Butter
230 ml Milch

1 EL Gries
Petersilie
Majoran
Salz, Pfeffer



Die gewürfelte Zwiebel brät man in Butter an und löscht sie mit der Milch ab. Dieses Gemisch kommt dann über die Semmelwürfel, die sich schon in einer Schüssel ausbreiten. Dann braucht's noch das Ei, den Gries und abermals die Gewürze.
Wenn man diese Zutaten vermengt hat, nimmt man Frischhaltefolie zur Hand und breitet die Masse länglich darauf aus. Dann rollt man es zusammen und umschließt es nochmal mit Alufolie. In der Zwischenzeit hat mal selbstverständlich schon Wasser zum Kochen gebracht, kann es also etwas herunterschalten, um die entstandenen Rollen darin für etwa 20 Minuten simmern zu lassen.

Angerichtet wird's dann mit Preiselbeermarmelade und Rahm.


Zu Tisch, Freunde der österreichischen Küche!



Sonntag, 5. Mai 2013

Nougatknödel mit Zwetschkenröster ODER siaße Knedln vo da Oma


Nachdem diese lern- und lehrreiche Woche noch kein anständiges Gericht zu Stande gebracht hat, ist die Wahl auf eine sonntägliche Leckerei gefallen. Damit das siaße Zeigs auch keinen all zu großen Schaden anrichten kann, wurden die Zuckerspiegel auf ein Minimum herabgesetzt.

Diese besondere Art von Knödeln hat eine langjährige Tradition in der gesamten Familie und soll nun an dieser Stelle fortgeführt werden. Eine Tradition, die sogar von beiden Omas über Jahrzehnte aufrecht erhalten wurde und heut noch die jüngeren Generationen mit Begeisterung an den alten Küchentisch zerrt. Ob sich die Zubereitungen der beiden Spezialistinnen voneinander unterscheiden, kann hier leider nicht mehr festgestellt werden – so wurde also das Rezept gewählt, das nicht vorzugsweise von Bruder und Cousin als Wettkampfbasis betrachtet wurde, sondern mit beständiger Qualität glänzt. Kaum zu glauben, dass man tatsächlich 13 solche Knedln essen kann... bei dem einen oder anderen sieht man das vielleicht auch heute noch.

Was man braucht, um unter Zuckerentzug-Leidende wieder zum Leben zu erwecken sind also:

250g Topfen (auch Quark genannt)
120g Mehl
80g Grieß
2 Eier

80g zerlassene Butter
Prise Salz
... und Nougat(pralinen) nach Wahl (Mozartkugeln sind z.B. schon mal eine sehr gute Basis)




Und jetzt geht's so einfach zur Sache wie noch nie (abgesehen von der Mayonnaise aus dem 3. Post, die ich ja damit bewerbe): Alles, bis auf den Nougat, kommt in eine Schüssel und wird mit Knethacken bearbeitet bis ein schöner glatter Teig dabei raus kommt. Will er noch weiter gestreichelt werden und macht dies mit zwanghaftem Klebenbleiben deutlich, dann hilft noch ein wenig mehr Mehl. Das war's dann aber auch schon mit dem Teig, er muss sich nur noch mit dem Nougat anfreunden und das macht er am besten indem man ihn auf leicht nasse Hände gibt, ein bissal flach drückt, den Nougat (am besten in runder Form) darauf gibt und ihm dann dabei hilft das Kugerl zu umschließen. Noch kurz ein wenig in Mehl gerollt und fertig ist der erste Nougatknödel. Das macht man so lange bis man keinen Teig oder keine Lust mehr hat. Alle Knödel kommen dann in einen Topf mit kochenden Wasser und fristen so ihr Dasein für etwa 20 Minuten.

Damit den Knöderln nicht zu kalt wird nach dem heißen Bad, werden in der Zwischenzeit die Brösel als Mantel gemacht. Dafür braucht man:

Semmelbrösel
Zucker
Vanillezucker
Zimt
geröster & gemörserte Haselnüsse
Butter, Öl

Das kommt in eine tiefere Pfanne und zwar genau in der Menge, wie man's selbst gern mag.

Damit das alles keine zu trockene Geschicht' wird, wird auch noch für den fruchtig, saftigen Teil gesorgt in Form eines Zwetschkenrösters.

500g - 1000g Zwetschken (Pflaumen gehen auch und haben jetzt scheinbar eher Saison)
Zucker
Zimt
Kardamom
Nelken
Wasser
Rum

Die Früchte werden in Stücke geschnitten und kommen zum Wasser und dem Rum auf die heiße Platte, um dort gemeinsam mit den Gewürzen und dem Zucker einzukochen – solang bis das Ganze nicht mehr knackig ausschaut. Wer es nicht so flüssig mag, darf es natürlich gern ein wenig eindicken.

Wenn dann alle Elemente der Zuckerbombe idealerweise gleichzeitig fertig werden, wälzen sich die Knödel wie angekündigt in den Bröseln und es kann gegessen werden.
Erstaunlicherweise hätte auch heute wieder ein Wettessen stattfinden können, die zwei Tabellenführer haben aber gefehlt, als Ersatz gab's nur jemanden der zu den Bröseln trotz häufigen Tadelns Streusel sagt und der Fuchs (natürlich nur in Form eines Buttons), der gestern glückselig auf dem Flohmarkt erstanden wurde.


Die Knödel können jetzt auch wieder entpersonalisiert und gegessen werden – sonst wär's ja gar ein wenig barbarisch.




Die Knödelei sagt Danke und Mahlzeit am Nachmittag!